Das geht aber auch ohne die Blockchain

Das geht aber auch ohne die Blockchain

In nahezu jeder Diskussion zum Thema Blockchain wird sehr schnell der Punkt erreicht, an dem wenigstens ein/e Diskussionsteilnehmer/in bemerkt: „Das geht aber auch ohne die Blockchain“. Zugegebenermaßen, diese Aussage ist meistens berechtigt.

 

Viele der Ideen, die auf eine Blockchain gebracht werden sollen, sind im Zweifelsfall nicht ausschließlich über den ‚distributed ledger‘ realisierbar. Weder aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht, noch aus technischer Sicht, sind sie (zum heutigen Zeitpunkt) optimal mit der Blockchain-Technologie umzusetzen. Meist handelt es sich dabei auch nicht um neue Ideen, sondern um bestehende Ideen, für die die technologische Implementierung ausgetauscht werden soll. 

 

Wie erkenne ich, ob die Blockchain eine passende Lösung für meine Idee ist?

 

Das revolutionäre Potential, welches sich durch die „Digitalisierung“ des Vertrauensfindungsprozesses realisieren lässt, wirkt sich grundlegend auf die Art und Weise aus, mit der Übereinkünfte, Abmachungen und Verträge künftig geschlossen werden können.  Durch die Möglichkeit des Verzichts auf vertrauenswürdige Treuhänder oder die Notwendigkeit, dass eine Partei das komplette Risiko übernehmen muss, weil sie in Vorleistung geht, ergeben sich plötzlich völlig neue Anwendungsmöglichkeiten.

Die Frage müsste daher nicht darauf gerichtet sein, ob ein angestrebter Service zwangsläufig einer Blockchain bedarf, sondern vielmehr welche zusätzlichen und neuen Möglichkeiten sich durch die Umsetzung mit einer Blockchain ergeben können!

 

Da dieser Schritt aber immer mit dem in Frage stellen des Status Quo einhergeht, fällt es oft sehr schwer diese neuen Möglichkeiten zu erkennen. Konsequent muss bestehenden Meinungen und Ansichten, funktionierenden und oft auch erfolgreichen Lösungen und Komfortzonen entgegengearbeitet werden und neue Denkhorizonte eröffnet werden.

Sicherlich lag das ehemalige Versandhandelsunternehmen Quelle mit der betriebswirtschaftlichen Einschätzung sich dem Online-Geschäft vorerst nicht zu widmen, aus damaliger Sicht, strategisch richtig. In der Retrospektive jedoch muss man erkennen, dass hier ein gesellschaftlicher Wandel unterschätzt und das Geschäftsmodell nicht rechtzeitig angepasst wurde. 
Die Blockchain birgt ein ähnliches Risiko. Während sich die Wirtschaft derzeit immer noch fragt, was der „richtige“ Use-Case ist, findet der Wandel in den Köpfen der Kunden längst statt. Immer mehr Menschen (und auch Firmen) fragen sich, warum sie einem Unternehmen weiterhin bedingungslos vertrauen sollen, wenn es doch Mittel und Wege gibt diese Unsicherheit auszuräumen und das ohne zusätzliche Kosten, oft sogar kostengünstiger durch den Verzicht auf Mittelsmänner oder zusätzliche Versicherungen. 


Vielleicht muss die richtige Frage daher auch nicht lauten: „Welchen Mehrwert kann man durch die Nutzung der Blockchain erzielen?“, sondern „Wird mein Geschäftsmodell auch ohne die Blockchain in wenigen Jahren noch relevant sein?“.

 

Was bringt mir dabei die Blockchain?

 

Smudo, Sänger der fantastischen Vier, hat es vor einigen Jahren mit seiner Einschätzung zur Verbreitung digitaler Musik auf den Punkt gebracht: „Irgendwann war Salz halt auch nicht mehr das wert, was es mal war...“ Diese - für einige traurige - Lehre aus der Vergangenheit deckt sich auch mit dem von Clayton Christensen proklamierten „Innovator’s Dilemma“. Hier wird sehr schön die Entwicklung und der zugrunde liegende Trugschluss analysiert, dem viele auch sehr große Konzerne (FKA „too big to fail“) schon oft erlegen sind.

 

Die stetig voranschreitende Digitalisierung hat gerade auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder deutlich gezeigt, wie Geschäftsmodelle sich, zwar nicht über Nacht, jedoch in vergleichsweise rasantem Tempo haben verändern müssen, um den neuen Realitäten gerecht zu werden. Sehr deutlich wird dies am Beispiel der Musikindustrie, die zuerst mit dem Festhalten auf diversen Tonträgern, dann mit der digitalen Vervielfältigungsmöglichkeit und schließlich mit der Bereitstellung als Stream in den letzten 100 Jahren mehrere fundamentale Wandel durchlebt hat. In jedem Evolutionsschritt sind dabei nicht einfach nur die alten „Funktionen“ ersetzt worden, sondern immer auch neue Einsatzmöglichkeiten hinzugekommen, die auf lange Sicht dafür gesorgt haben, dass sich (meistens) die neuen Technologien durchsetzen.

 

Wie kann ich dazu die Blockchain nutzen?

 

Gleiches könnte auch für die, häufig noch mit einem Kopfschütteln abgetanen, Blockchain-Lösungen der Fall sein. Auch wenn sich der Mehrwert einer Blockchain-getriebenen Lösung derzeit nicht direkt erschließen lässt, oder dessen Potential aus heutiger Sicht wenig Bewandtnis beigemessen wird, so besteht jedoch eine große Wahrscheinlichkeit, dass ganz neue Geschäftsfelder erschlossen werden könnten, die in möglicherweise nicht allzu ferner Zukunft den „Ton“ angeben werden.

 

Damit schließt sich in gewisser Weise der Kreis zwischen Blockchain und digitaler Business Transformation. Beide Strategien wirken auf einen grundlegenden Wandel von Businessmodellen oder vielmehr einer Öffnung für neue Business-Opportunities hin.

 

 

Mein Fazit lautet somit, dass die Frage, die mir in besagten Diskussionen zukünftig gestellt wird, zwangsläufig lauten muss: „WIE kann ich dazu die Blockchain nutzen?“, um dann auf das Serendipitätsprinzip zu vertrauen: Neue, überraschende Möglichkeiten werden sich zeigen – diese gilt es nun zu nutzen!